Interkulturelle Werkstatt – Folge 2

„Sprachtest und Sprachverständnis“

Ahmad macht schon seit längerer Zeit Deutsch-Sprachkurse. Seit mehr als zwei Monaten ist er im „A2“. Vor wenigen Wochen hat er eine Mail von der Ruhr-Uni Bochum bekommen mit dem (sog.) „C-Test“. Wenn er diesen besteht, wird er von seiner Sprachbegabung sofort in Level „B1“ eingestuft. Es ist ein Lückentext [siehe Bild unten], den man auf Zeit am Computer (ohne Lehrer) absolvieren soll. „Da die Uhr ständig mitläuft ist der Zeitdruck sehr hoch“, sagt Ahmad, „ich kann mich dann nicht richtig konzentrieren. Bei den anderen Tests hatte man für solche Aufgaben immer 5 Minuten Zeit für jeden Text.“

Leider hat Ahmad nicht bestanden. Er hatte nur 55 von geforderten 61 % des „C-Test“ erfüllt, erzählt er. Aber er macht den A2 Kurs weiter an der Uni. Er sei ein wenig genervt, aber nicht enttäuscht, gesteht er. An anderer Stelle macht er bereits „B2“ Kurse (auf höchstem Niveau), aber für die offizielle Einstufung an der Ruhr Uni reiche es noch nicht ganz.

   Abbildung: Beispieltext für den C-Test

 

Wer mehr über die Test erfahren will – hier entlang:

http://www.c-test.de/deutsch/index.php?lang=de&content=beispiele&section=ctest

http://www.zfa.ruhr-uni-bochum.de/lehre/einstufung/testformat.html.de

 

Jan habe der B1 Kurs im DaF-Bereich (Deutsch als Fremdsprache) geholfen und seine deutsche Sprache sehr verbessert, sagt er. Er hat viele neue Wörter gelernt und auch die Grammatik verstehe er immer besser. Die Kurse und die Lehrer seien sehr gut, lobt Jan. Aber ähnlich wie Ahmad fällt es ihm manchmal schwer, die Einstufungen nachvollziehen zu können. Er sagt, er habe Freunde, die den Test bestanden haben, obwohl sie seiner Meinung nach noch nicht unbedingt soweit seien. Andere hingegen haben den C-Test nicht bestanden, obwohl sie sich wesentlich besser verständigen könnten als manche Absolventen. Ihrer Erfahrung nach spiegelt der Test nicht unbedingt die wirklichen Verständigungsfähigkeiten wieder. Vielleicht sei er für manche eher eine glückliche Abkürzung für ihre Lernkurse.

Er selbst und Ahmad gucken Fernsehen in deutscher Sprache und unterhalten sich auch privat oft auf Deutsch. Auch die Besuche im Sprach-Café helfen ihnen, besonders wegen des direkten Sprechens und Zuhörens, mehr weiter als nur die Tests am Computer.

„Aber je mehr Grammatik ich gelernt habe, desto schlechter wird meine Sprache,“ sagt Jan scherzhaft, „weil ich mich beim Sprechen jetzt immer mehr auf den Satzbau konzentriere“.

Besonders im Ramadan war er gegen Nachmittag oft schon müde und unkonzentriert. Dann fällt ihm das Lernen manchmal schwerer als sonst.

„Wegen des Wetters“, sagt er (ohne zu überlegen)

… und nicht wegen dem Wetter ;-)

 

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Ahmad* und Jan* (sprich Dschann wie Dschungel) sind zwei junge Geflüchtete unserer Interkulturellen Werkstatt, die hier öfter über ihren Alltag in Deutschland berichten werden. Ein (noch sehr kurzes) Portrait gab es schon in Folge 1 (in diesem Blog). Mehr erfahrt ihr schon bald an dieser Stelle.

*[die Namen wurden von der Redaktion geändert]

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